Protagonisten
Stefan Knüpfer *1967

Manchmal hat Stefan Knüpfer Albträume von gerissenen Saiten – der gebürtige Hamburger ist der Cheftechniker von Steinway & Sons Österreich. Im Wiener Konzerthaus ist er verantwortlich für den Klang der Konzertflügel großer Pianisten.
Wenn Klavierstars wie Alfred Brendel, Lang Lang oder Pierre-Laurent Aimard ein Konzert geben, muss jeder Ton stimmen. Mehr noch: er muss seinen eigenen Charakter bekommen. Ob offener, geschlossener, intimer oder runder – die Klangvorstellungen der Pianisten sind äußerst präzise. Stefan Knüpfer versucht, es jedem in jeder Situation recht zu machen. Und auch wenn die Weltstars der Klaviermusik bei ihm ein- und ausgehen – Knüpfer bleibt stets bodenständig und humorvoll.
Stefan Knüpfer liebt seine Instrumente und die Arbeit mit ihnen. Wenn er einen Flügel bearbeitet, kontrolliert er Hammerkopf für Hammerkopf, Saite für Saite und sucht unermüdlich nach dem perfekten Klang. Kollegen, die mit einem Messgerät arbeiten, das die richtige Tonfrequenz ermittelt, kann er nicht verstehen: „Wer ausschließlich mit dem Gerät stimmt, verlässt sich auf seine Augen, nicht auf seine Ohren.“ Knüpfer hört lieber genau hin. Da darf hinterher kein Staubkorn mehr aus dem Resonanzboden entfernt werden. „Alles verändert den Klang.“ Er begreift einen Ton nicht als definierte Frequenz, sondern eher wie eine Farbe, innerhalb derer Schattierungen und Abstufungen in unzähligen Nuancen möglich sind.
Mit 15 Jahren begann Knüpfer bei Steinway & Sons eine Ausbildung zum Klavierbauer und Konzerttechniker. Vorher wollte er selbst Pianist werden. Doch sein Talent hielt er dafür nicht für ausreichend – zu hoch waren Knüpfers Ansprüche an sich selbst, schon damals.
Der Film begleitet Stefan Knüpfer bei seiner ungewöhnlichen Arbeit und zeigt neben dem passionierten Konzerttechniker auch den Menschen, etwa wenn er sich in den Pausen liebevoll um Hund Julius kümmert oder den Kollegen selbstgebackenen Käsekuchen seiner Frau mitbringt.
Pierre-Laurent Aimard *1957

Wie kaum ein anderer Pianist feilt Pierre-Laurent Aimard an jedem einzelnen Ton des Konzertflügels. Denn was wären Rhythmus, Melodie und Interpretation, wenn der Klang des Instrumentes ihnen nicht entspräche? Jedes Stück hat seinen Charakter. Und den muss man hören.
Aimard gibt sich erst dann zufrieden, wenn der Klang perfekt ist. Und bis diese Perfektion erreicht ist, müssen eben auch ganze Konzertflügel kurzfristig wieder ausgetauscht oder Tonaufnahmen mehrere Male wiederholt werden. Am Ende steht ein großes Ziel: die vollkommene Musik.
Bereits mit zwölf Jahren begann Pierre-Laurent Aimard sein Studium am Konservatorium in Lyon. Später kam er an die Hochschule für Musik nach Köln und perfektionierte sein Spiel unter Yvonne Loriod, der Ehefrau des Komponisten Olivier Messiaen. 1973 gewann Aimard mit nur 16 Jahren den Kammermusikpreis des Pariser Konservatoriums – ein Schlüsselmoment seiner Karriere. Noch im selben Jahr wurde er mit dem ersten Preis des internationalen Olivier-Messiaen-Wettbewerbes ausgezeichnet. 1976 war er Mitbegründer des Ensemble Intercontemporain.
Von da an kreuzte Aimard die Wege bedeutender Komponisten der Gegenwart wie Boulez, Stockhausen und Ligeti. Aimard ist unter anderem bekannt für sein Talent, diese zeitgenössische Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen – ohne sein traditionelles Repertoire als Solist und Kammermusiker zu vernachlässigen. Aimard spielt allein oder mit den Orchestern von Dirigenten wie Christoph von Dohnayi, Kent Nagano, Pierre Boulez oder Nikolaus Harnoncourt. Seit 2009 ist Aimard für drei Jahre künstlerischer Leiter des Aldeburgh Festivals.
Im Film spielt Aimard unter den Kunden von Stefan Knüpfer die zentrale Rolle. Die Vorbereitungen für seine geplante Aufnahme von Bachs „Kunst der Fuge“ bilden den wichtigsten Erzählstrang.
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Alfred Brendel *1931

Im Dezember 2008 gab Brendel sein letztes öffentliches Konzert – doch auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere bleibt er zweifellos einer der größten Pianisten der Gegenwart. Das Markenzeichen seiner Interpretationen: konsequente Werktreue. Denn im Gegensatz zu vielen jüngeren Pianisten vertritt Alfred Brendel den Standpunkt, der Künstler solle sich dem Werk anpassen. Nicht das Werk sich dem Künstler. Ein qualitativ hochwertiges Konzert war ihm immer wichtiger als eine pompöse Selbstdarstellung.
Anders als bei vielen anderen Pianisten war Brendels Karriere nicht vorgezeichnet. Er galt weder als Wunderkind noch entstammt er einer Musikerfamilie. Brendel kam im mährischen Wiesenberg (heute Tschechische Republik) als Kind einer Familie mit deutschen, österreichischen, italienischen und slawischen Wurzeln zur Welt. Mit sechs Jahren fing er an, Klavierunterricht zu nehmen. Nach dem Besuch einiger Meisterklassen (unter anderem bei dem berühmten Schweizer Pianisten Edwin Fischer) entwickelte er sein Spiel autodidaktisch weiter.
Brendel war der erste Pianist, der Beethovens gesamtes Klavierwerk einspielte und aufzeichnete – dieser Passion für die großen Komponisten ist er bis zum Ende seiner Karriere treu geblieben. 1999 spielte er mit Sir Simon Rattle und den Wiener Philharmonikern noch einmal alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven ein. Als einer der wenigen Pianisten hat Brendel außerdem Aufnahmen sämtlicher Klavierkonzerte Mozarts eingespielt. Er hat zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeit erhalten, unter anderem mehrfach den Deutschen Schallplattenpreis. Seit 1971 lebt Brendel mit seiner zweiten Frau Irene in London.
Im Film sehen wir Alfred Brendel bei seinem Recital auf dem Musikfestival Grafenegg im August 2007, wo er Werke von Haydn, Mozart und Schubert spielte.
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Lang Lang *1982

Hoffentlich hält die Bank – wo Lang Lang auftritt, wünscht er stets die stabilste Sitzgelegenheit, die das Haus zu bieten hat. Denn für große Gesten und seinen gefühlsbetonten, wilden Stil ist der chinesische Pianist ebenso bekannt wie für sein musikalisches Talent.
Der exzentrische Künstler ist mittlerweile auch in Deutschland zu einem regelrechten Popstar avanciert. Millionen sahen ihn bei „Wetten dass…“, Kerner und Beckmann holten ihn in ihre Shows. Eine ungewöhnliche Medienpräsenz für einen Interpreten klassischer Musik. In China soll sein Erfolg der Klaviermusik zu nie gekannter Popularität verholfen haben: Rund 20 Millionen junger Chinesen nehmen mittlerweile Klavierstunden.
Angeblich wurde Lang Lang auf einem eher unkonventionellen Weg auf die klassische Musik des Westens aufmerksam: durch eine Folge der Zeichentrickserie „Tom und Jerry“, die er mit zwei Jahren im Fernsehen sah. Kater Toms Interpretation der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 in cis-Moll von Franz Liszt habe demnach sein Interesse für die Klaviermusik geweckt.
Von da an ging es für Lang Lang steil bergauf: Mit drei Jahren nahm er seine ersten Klavierstunden und im Alter von fünf Jahren gewann er bereits den Klavierwettbewerb seiner Heimatstadt Shenyang in Nordchina. Mit neun Jahren begann er ein Musikstudium am Konservatorium in Peking und gewann mit elf Jahren seinen ersten internationalen Preis in Deutschland. 1999 folgte sein internationaler Durchbruch: Lang Lang sprang beim Ravinia Festival in Chicago kurzfristig für den verhinderten André Watts ein und spielte unter der Leitung von Christoph Eschenbach Tschaikowskys erstes Klavierkonzert. Seither ist Lang Langs Terminkalender voll mit Konzerten auf der ganzen Welt.
Im Film sehen wir Lang Lang bei einem Auftritt im Großen Saal des Wiener Konzerthauses im November 2006 und den dazugehörigen Vorbereitungen mit Stefan Knüpfer. Zu hören sind hauptsächlich Passagen von Mozart und Schumann.
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Till Fellner *1972

Der bekannte Pianist Till Fellner stammt aus Wien, wo er bei Helene Sedo-Stadler studierte. Später führte ihn seine Ausbildung unter anderem zu Alfred Brendel, den er nach wie vor als wichtigen Mentor schätzt.
Fellners internationale Karriere begann 1993 mit dem ersten Preis beim Concours Clara Haskil in Vevey (Schweiz). Seitdem ist er ein gefragter Gast bei renommierten Orchestern, in den großen Musikzentren in Europa, den USA und Japan sowie bei vielen wichtigen Festivals. Zu den Dirigenten, mit denen er zusammengearbeitet hat, zählen Claudio Abbado, Vladimir Ashkenazy, Christoph von Dohnányi, Nikolaus Harnoncourt, Heinz Holliger, Marek Janowski, Franz Welser-Möst und Hans Zender. Till Fellner spielt regelmäßig in einem Trio mit Lisa Batiashvili und Adrian Brendel, eine weitere intensive Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Tenor Mark Padmore.
In jüngster Zeit spielte Till Fellner unter anderem mit dem Orchestre National de France (Kurt Masur), dem Philharmonia Orchestra London (Sir Charles Mackerras), dem Orchestre Symphonique de Montréal (Kent Nagano) sowie den Münchner Philharmonikern (Lothar Zagrosek). Zu seinen bisher wichtigsten Aufnahmen zählen Werke von Schumann, Schubert, Beethoven, Mozart und Bach.
Im Film begegnen wir Till Fellner in der Hamburger Manufaktur der Firma Steinway. Als musikalischer Berater und Experte unterstützt er Stefan Knüpfer bei der Auswahl eines neuen Flügels für das Wiener Konzerthaus.
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Julius Drake *1959

Julius Drakes Leidenschaft gilt der Kammermusik. Im Gegensatz zu den meisten Pianisten strebte der Londoner Musiker schon zu Beginn seiner Karriere keine großen Soloklavierkonzerte an – vielmehr wollte er mit anderen Künstlern gemeinsam auf der Bühne musizieren. Drake spielt mit Vorliebe an der Seite großer Sänger wie Thomas Quasthoff, Dorothea Röschmann, Thomas Allen und Ian Bostridge. Und wenn er wieder einen seiner eigenen Liederabende in der Middle Temple Hall in London organisiert, lässt sich kaum ein bekannter Künstler lange bitten.
Mit sieben Jahren begann Julius Drake, Klavierunterricht zu nehmen. Später studierte er am Royal College of Music in London bei Angus Morrison, wo er die Kammermusik für sich entdeckte. Nach dem Studium nahm ihn schließlich der australische Pianist Geoffrey Parsons unter seine Obhut und eröffnete Drake das große Repertoire des Liedes.
Im Film sehen wir Julius Drake bei den Vorbereitungen eines Liederabends mit dem britischen Tenor Ian Bostridge beim Grafenegger Musikfestival. Julius Drake und Stefan Knüpfer sind gut befreundet.
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Aleksey Igudesman und Richard Hyung-Ki Joo

Kein Meister(werk) ist ihnen heilig: Der Violinist Aleksey Igudesman und der Pianist Richard Hyung-Ki Joo nehmen in ihren Klassik-Comedyshows berühmte Künstler und Kompositionen schonungslos aufs Korn. Sie beweisen dem Publikum immer wieder aufs Neue, dass Klavier und Geige auch außerhalb des traditionellen Rahmens wunderbar zum Einsatz kommen können.
Die beiden einstigen Wunderknaben lernten sich als Kinder in der Yehudi Menuhin School bei London kennen und arbeiten seit ihrem zwölften Lebensjahr zusammen. Neben ihren gemeinsamen Komikerauftritten als Igudesman & Joo steckt in jedem von ihnen auch ein ernsthafter Musiker: Sie komponieren, treten als Solisten und mit großen Orchestern auf und sind Gründungsmitglieder renommierter Kammermusik-Ensembles: Igudesman spielt im Streichtrio „Triology” und Joo im Klaviertrio „Dimension” – beides Formationen, die bereits mehrere vielbeachtete CDs aufgenommen haben.
Im Film treffen wir die beiden unter anderem in Stefan Knüpfers Wiener Werkstatt, wo sie zusammen mit ihm neue Ideen für ihr nächstes Programm aushecken. Stefan Knüpfer hat Richard Hyung-Ki Joo bei seiner Zusammenarbeit mit dem Popstar Billy Joel kennen gelernt, für den Joo Klavierkompositionen arrangiert und eingespielt hatte.
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Chamber Orchestra of Europe (COE)

Die Kritiker loben das Chamber Orchestra of Europe immer wieder in den höchsten Tönen. So etwa auch nach dem Livemitschnitt eines Mozart-Konzert mit Pierre-Laurent Aimard in Graz: „Dies ist eine der schönsten Mozart-Aufnahmen aller Zeiten“, schrieb die ZEIT.
Dabei ist das COE 1981 zunächst eher als Notlösung entstanden: Einige Musiker des European Community Youth Orchestra (ECYO) hatten schlicht die Altersgrenze ihres Orchesters erreicht und wollten noch nicht aufhören, gemeinsam zu musizieren. So beschlossen sie, ihren eigenen Weg zu gehen: Sie gründeten das Chamber Orchestra of Europe.
Die Musiker reisen für die Proben und Konzerte jedes Mal aus ihren jeweiligen Heimatländern an, denn das COE arbeitet projektbezogen und verfügt über keinen permanenten Standort. Einzig das Management sitzt fest in London. So spielen die Musiker etwa an einem Abend in der Alten Oper in Frankfurt am Main, dann in der Kölner Philharmonie und anschließend in der Pariser Cité de la Musique. Auch die Festspiele in Salzburg und Berlin sind ein fester Bestandteil des Orchesterkalenders.
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Die Tonmeister

Christoph Claßen *1968
Klingt das F nicht wie ein Fis? Christoph Claßen entgeht keine schiefe Note. Denn für die Aufnahme muss alles perfekt sein. Bei der „Kunst der Fuge“-Einspielung von Pierre-Laurent Aimard ist er der Aufnahmeleiter und damit erster Ansprechpartner für den Pianisten. Als Vertreter der gemeinhin gültigen Klangästhetik bildet er außerdem einen stabilen Gegenpol zu den Experimenten von Aimard und Knüpfer – die er mit seinem direkten und gnadenlosen Humor gerne mal entsprechend kommentiert.
Tobias Lehmann *1968
Tobias Lehmann ist Tonmeister und Mitinhaber des Tonstudios, mit dem Aimard arbeitet. Nach der Umstrukturierung des Warner Music Konzerns und der damit verbundenen Schließung des Labels Teldec Classics und des Berliner Teldec-Studios gründete er (zusammen mit Friedemann Engelbrecht und Martin Sauer) im Januar 2002 die Teldex Studio Berlin GmbH. So wird die Tradition dieses Studios fortgeführt.
