Filminhalt
- Kurzinhalt
Pianomania ist ein Film über Perfektion, die Liebe zur Musik und ein kleines bisschen Wahnsinn.Mehr ▼
„Der Ton atmet nicht“, „das Instrument braucht mehr Magie“ – Sätze wie diese hört Stefan Knüpfer, der Cheftechniker und Meisterstimmer von Steinway & Sons, jeden Tag. Er arbeitet mit den besten Pianisten der Welt zusammen. Und wenn sich Alfred Brendel, Lang Lang oder Pierre-Laurent Aimard an den Flügel setzen, muss alles perfekt sein, bis auf die winzigste Tonnuance. Denn jedes Klavier hat seine eigene Persönlichkeit, jedes Stück verlangt nach einer eigenen Klangfarbe und jede Interpretation hat ein besonderes Temperament.
Pianomania nimmt den Zuschauer mit auf eine humorvolle Reise in die geheimnisvolle Welt der Töne und begleitet Stefan Knüpfer bei seiner Arbeit mit den weltberühmten Pianisten. Das richtige Instrument mit den geforderten Eigenschaften passend zur Vision des Virtuosen zu finden, zu vervollkommnen und letztlich auf die Bühne zu schaffen – diese ungewöhnliche Arbeit fordert Nerven aus Stahl, grenzenlose Leidenschaft und die seltene Fähigkeit, Worte in Töne übertragen zu können.
Der außergewöhnliche Film von Lilian Franck und Robert Cibis erzählt mit Herz und Humor von Momenten der absoluten Liebe zu Detailgenauigkeit und Perfektion. Aus einzigartigen Blickwinkeln beobachtet Pianomania die spannende Suche nach dem perfekten Klang.
- Inhalt
Entspannen – Augen zu – genießen. Aber was steht denn eigentlich hinter einer preisgekrönten Musikaufnahme oder einem gelungenen Konzert? Pianomania leuchtet in die dunklen Ecken, hinter das Rampenlicht, und findet einen blonden Klaviertechniker.Mehr ▼
Erstaunt kann man beobachten welche entscheidende Rolle Stefan Knüpfer spielt. Lang Lang, Alfred Brendel, Pierre-Laurent Aimard, die Stars schwören auf ihn, denn er ist genauso besessen wie sie von der Idee des perfekten Klanges, von der Liebe zur Vollkommenheit. Und von diesen seltenen göttlichen Momenten, wo man ihr ganz nah ist.
Im Zentrum des Films steht die gemeinsame Arbeit von Pierre-Laurent Aimard und Stefan Knüpfer. „Die Kunst der Fuge“ von Bach soll aufgenommen werden. Pierre-Laurent Aimard hat sich für den Konzertflügel Nr. 109 für die Bach- Aufnahmen entschieden. Ein Jahr vor den Aufnahmen beginnt der Film und für die beiden eine lange Odyssee der Klänge.
88 Tasten, 230 Saiten auf einem gusseisernen Rahmen, 480 Kilogramm Gewicht für die Schwingungen des empfindlichen Resonanzbodens. Stefan Knüpfer will das Beste aus ihnen herausholen. Aber was ist dieses ominöse Beste? Jedes Klavier hat eine eigene Persönlichkeit. Jedes Stück verlangt nach spezifischen Klangfarben. Jeder Interpret hat ein besonderes Temperament und eine Vision.
Für Aimard wird Knüpfer Instrumente aus der Bach-Zeit studieren. Er experimentiert mit Schalldämpfern aus Filz und mit gläsernen Klangspiegeln. Aber nach ein paar Monaten wird ausgerechnet der 109er Flügel nach Australien verkauft und das ist nicht das letzte Hindernis, das sich den beiden in den Weg stellt. Knüpfer und Aimard treffen sich regelmäßig und wenn die Spannung zum Zerreißen ist, rettet Knüpfer mit seinem frischen Humor die Lage. Der Weg bis zu dem ersehnten „Bravo“ des Pianisten ist lang.
Stefan Knüpfer ist ein Magier der Kommunikation. Aber er ist auch ein Techniker, der schraubt, spannt und feilt. Er arbeitet mit allen Sinnen und produziert Klaviere, die Künstler beflügeln.
Pianomania beobachtet Knüpfers spannende Arbeit am perfekten Klang, vom tiefsten Inneren des Instrumentes bis nach Außen, in den vollen Konzertsaal.
Eines Nachmittags erscheint ein halb verschlafener Künstler in Jeans und bunten Turnschuhen. Es ist der chinesische Starpianist Lang Lang, der ein Gastspiel im Wiener Konzerthaus gibt. Noch geplagt von seinem Jet Lag muss er ein Instrument auswählen und anspielen. Sein dicht gepackter Tourneekalender lässt wenig Zeit für individuelle Einstellungen. Dafür verlangt er beinahe schüchtern nach einer schwereren Bank, die seiner extrovertierten Spielweise standhält ohne zu rutschen. Seinen Auftritt im Großen Saal absolviert der Piano-Superstar im dunklen Anzug mit wilder Frisur. Die Bank hält, er erntet Beifallsstürme.
Die Sketche des Komikerpaars Igudesman und Joo karikieren immer wieder die elitäre Musikwelt. Gemeinsam mit Knüpfer lassen sie sich die verrücktesten Szenarien für die nächste Show einfallen.
Doch dann ist die Atmosphäre wieder so konzentriert, dass man die leiseste Luftschwingung hören würde. Das Luftholen bleibt ein flüchtiger Moment.
Beim Musik-Festival in Grafenegg findet eines der letzten Konzerte von Alfred Brendel statt. Knüpfer bereitet den Flügel für ihn vor. Launig gibt der Starpianist seine Anweisungen.
„Der Ton atmet nicht.“ –klagt der Pianist Pierre-Laurent Aimard verzweifelt
„In dem Klavier ist keine Magie.“ –stellt der Pianist Julius Drake resigniert fest
„…statt ‚neurotisch’ würde ich sagen: ‚spezialisiert’.“ – der Klaviertechniker Stefan Knüpfer, beschreibt seine Kunden
Der Film ist rein beobachtend gedreht. Und das komplexe Thema kommt leicht wie auf Engelsflügeln daher. Doch analog zum Ringen der Protagonisten um den perfekten Klang wurde bei den Tonaufnahmen größtmöglicher Aufwand betrieben. Sämtliche Szenen wurden in Dolby surround Qualität und in bis zu 90 Tonspuren aufgezeichnet. Pianomania ist ein veritabler “Ear Opener”, ein akustisches Juwel und nicht zuletzt ein wertvolles Zeitdokument. Lang Lang wird jedes Jahr älter, Brendel tritt nicht mehr öffentlich auf, und Pierre-Laurent Aimard, der einer eingeschworenen Gemeinde bekannt war, ist mittlerweile zum Säulenheiligen der Musik des 20. Jahrhunderts avanciert. Lilian Francks und Robert Cibis’ Pianomania wird man sich auch in 20 Jahren noch mit Genuss ansehen und anhören können.
- Motivation der Filmemacher
Um uns auf das Filmemachen konzentrieren zu können, kauften wir uns eines Tages einen Ratgeber für Hausfrauen, der uns helfen sollte möglichst wenig Zeit für unseren Haushalt zu verschwenden („Besser einfach – einfach besser“ von Bleier, Bianka und Schilling, Birgit).Mehr ▼
Darin lasen wir folgenden Satz: „Man spart 50 % Kraft, wenn man sich mit 90 % Perfektion zufrieden gibt. Ist das nicht genial? Wenn wir bereit sind, nur 10 % Abstriche bei unserem Anspruch auf Perfektion zu machen, sparen wir enorm viel Kraft.“
Das mag ein interessanter Tipp für viele Erledigungsarbeiten sein. Wenn Stefan Knüpfer mit Pierre Laurent Aimard aber die „Kunst der Fuge“ von Bach aufnimmt, dann geht gerade um diese restlichen zehn Prozent an Arbeit und Perfektion. Unser Film erzählt von jener Schwelle, die nicht den angenehmen Alltag, sondern Kunst ermöglicht.
Unser Ziel ist es, das Geheimnis der Entstehung bleibender Werke spürbar zu machen. Seitdem wir Filme machen, kennen wir die stetige Arbeit an einem Filmprojekt, die gleichzeitig zur stetigen Arbeit an uns selbst wird. Das gibt uns einen neuen Zugang zur besonderen Hingabe von Stefan Knüpfer und den Starpianisten an ihren Beruf, bzw. ihre Berufung. Unsere Bewunderung für diese „überdimensionalen“ Menschen ist gestiegen.
Die extreme Leidenschaft unserer Filmhelden haben wir während der Recherche und bei den ersten Drehs gespürt. Genauso wie deren Obsession uns berührt hat, so soll sie auch auf die Zuschauer des Films überschwappen.
Genau an der Grenze der menschlichen Leistungsfähigkeit entsteht etwas ohne Namen. Etwas das größer ist als das eigene Leben. Jeder kann es nennen wie er will: Zum Beispiel „Ewigkeit“, „Kunst“ oder „Gott“. Wir nennen es ganz bescheiden Pianomania.
